Dienstag, 12. November 2024

Billig? Oder lieber günstig?

Wenn man den Empfehlungen der Zertifikate-Emittenten folgt, bekommt man nicht immer den für Händler günstigsten Schein. So auch bei der heutigen (12.11.2024) Empfehlung eines gehebelten Knockout-Scheines auf den Basiswert Rheinmetall von HSBC.

Rheinmetall Aktie aussichtsreich

Rheinmetall gilt aktuell als aussichtsreiche Aktie für einen Trade, oder auch ein Investment mit kurzer Haltedauer. Das wird analytisch auch sehr schön in dem kurzen Statement ausgeführt. Enge Bolliger Bänder im Tageschart, und eine relative Stärke nach Levy von größer als eins, im Wochen-Rhytmus berechnet, sprechen für sich. Dazu werden, für die nun bevorzugte Seite - Long - zwei Scheine angeboten, die Wertpapierkennnunmmer (WKN) HT0ASB mit Hebel 10,47 und die WKN HT095M mit Hebel 6,13.


Was wichtig ist

Der erste Blick sollte hierbei immer auf der Basispreis fallen. Da es sich hier um Calls handelt, würde der Schein bei Erreichen des Basispreises wertlos, falls die Investition gegen einen läuft und die Aktie fällt. Da bei einigen Händlern bereits vorher die nervöse Phase beginnt, ist es sinnvoll, einen Hebel im Bereich um fünf zu nehmen. Das gibt etwas mehr Spielraum, falls es einmal heftige Kursausschläge kommt, z.B. nach Meldungen aus dem Unternehmen wie Quartalszahlen.

Natürlich ist der Preis des Derivates, also der Geld- und Briefkurs, ebenfalls wichtig. Aber immer nur im Zusammenhang mit dem Bezugsverhältnis. Dabei fällt auf, dass der Call mit dem kleineren Hebel ein Bezugsverhältnis von 0,01 hat, also 100 Stück des Scheins entsprechen einmal der Aktie. Beim Call mit dem höheren Hebel ist das Bezugsverhältnis jedoch 0,10, was bedeutet, dass 10 Stücke des Scheines einer Aktie entsprechen. Warum tut man so etwas?

Ein Blick auf die Preise kann einen Anhaltspunkt liefern. Der höher gehebelte Schein ist mit einem Preis von etwas über fünf Euro aufgerufen, der niedriger gehebelte mit knapp einem Euro. Wäre dieser ein Schein mit einem Bezugsverhältnis von 0,10, so würde dieser Schein rund 10€ kosten. Sehr wahrscheinlich lassen sich solche Scheine mit hohen Preisen eher schlecht bei der Kundschaft verkaufen, denn die wollen es billig - und bekommen deshalb einen 100:1 Schein vergestellt.

Billig ist nicht gleich günstig

Doch nun die Vergleichsrechnung: Der höher gehebelte Schein wird zur Haupthandelszeit vom Emittenten mit Kursen und einem Spread von 4ct gestellt, während es beim Schein mit dem niedrigeren Hebel nur 1 Ct. Spread ist. Allerdings muss man hier wieder das Bezugsverhältnis berücksichtigen: Die 0,04€ Spread mal 10:1 machen 0,40€ Extra-Kosten beim Kauf, wenn man das Äquivalent einer Aktie kauft. Beim niedriger gehebelten Schein sind es jedoch 0,01€ mal 100:1 gleich 1,00€ Extra Kosten, also das 2,5 fache. Auf dem ersten Blick scheint das noch unbedeutend zu sein, aber bei einer Positionsgröße im Bereich von nur 20 Aktien, was ja durchaus üblich sein kann, sind es dann schon 20€ Extra-Kosten gegenüber nur 8€ beim 10:1 Schein.

Ein vergleichbares Derivat nehmen

Daher kann es günstig sein, sich einen eigenen Schein herauszusuchen, abseits von den angebotenen. Mit etwas Eingrenzung des Basispreises und einem Schein vom gleichen Emittenten findet sich die WKN HT0H1T mit einem vergleichbaren Basispreis. Auch dieser wird mit 4ct Spread gehandelt, also wie der höher gehebelte Schein oben. Damit hat man dann einen Schein mit weniger Nebenkosten und dem gewünschten Hebel. Und dieser wird sich sehr ähnlich entwickeln wie der oben genannte 100:1 Schein.

Disclaimer 

Dies ist keine Empfehlung für Rheinmetall oder für den Emittenen HSBC. Jedoch schätze ich die Ausführungen zu Basiswerten von HSBC. Ich habe lediglich herausgearbeitet, warum es sinnvoll sein, sich ein eigenes Derivat herauszusuchen, ggf. auch mit einem anderen Hebel als die vorgeschlagenen.

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