Dienstag, 3. Dezember 2024

Manche mögen es heiß

Bei "heißen" Scheinen denken viele Trader an hohe Hebel mit Knockouts, die kurz vor dem KO stehen. Kamikaze Trades damit sind in der Szene durchaus beliebt. Doch auch abseits der Knockouts gibt es Scheine, die eher ans Zocken als ans Traden erinnern.

Bei der Suche nach Discount Optionsscheinen, die sich von klassischen Optionsscheinen durch eine maximale Auszahlung, begrenzt durch eine Kappung,  unterscheiden, gibt es auch solche, deren Basispreis und Cap (bzw. Floor bei Puts) sehr eng zusammen liegen. Bei einigen Scheinen auf den DAX, dem Deutschen Aktienindex, sind es gerade einmal einhundert Punkte. Damit liegen die Auszahlung des Maximalbetrages und der wertlose Verfall am Ende der Laufzeit sehr eng beieinander.

Entsprechend volatil verhält sich ein solcher Schein im täglichen Handel. Zwar bietet der Schein, je nach Anwendungsfall, einen guten Zeitwert Gewinn, wie er bei Discount Optionsscheinen grundsätzlich möglich ist, aber der Weg dorthin ist in der Regel von starken Schwankungen geprägt. Nicht jeder Händler wird das mit Blick auf den Kurs und seinen Einstandspreis aushalten können.
 

Zwei Beispiele dazu:

 
Der Discount Put auf den DAX mit der ISIN DE000HD8CQR6 war Mitte November bereits bei 0,90€ angekommen, als der DAX zeitweise unter 19.000 stand. Inzwischen ist er bei einem "Hoffnungspreis" von 0,22€ angekommen, bei einer Restlaufzeit von aktuell genau zwei Wochen. Steht der DAX dann weiter über dem Basispreis von 19.600, verfällt der Schein wertlos. Unter dem Floor (Kappungsgrenze) von 19.500 hingegen würde es die maximale mögliche Auszahlung von einem Euro geben.


Der Discount Call auf den DAX mit der ISIN DE000HD8NUS3, gleicher Restlaufzeit (aktuell zwei Wochen) und einem Basispreis von 18.800 sowie einem Cap von 18.900 stand Mitte November bei 0,64 Euro. Im Zuge des DAX-Anstiegs erreichte er inzwischen den maximalen Auszahlungsbetrag abzüglich des Spreads, der ein Cent beträgt.


Wie man sieht, spielt der Spread bei diesen Scheinen aufgrund der kleinen Kurse eine besondere Rolle und sorgt für zusätzliche Kosten bei Ankauf und Verkauf von mindestens einem Prozent. Recherchiert man ein wenig, so findet man von einem anderem Emittenten, Morgan Stanley, auch Scheine mit einem Bezugsverhältnis von 10:1 statt 100:1 bei vergleichbaren Laufzeiten. Diese werden mit einem Spread von zwei Cent gestellt, was aber aufgrund der zehnfachen Kurses nur Extra-Kosten von mindestens 0,2% umfasst, also rund ein Fünftel.

Mit einer Kombination aus zwei Scheinen, ähnlich wie hier dargestellt, lassen sich auch Strategien aufbauen, ähnlich wie mit Optionen. Dazu bald mehr.

Dienstag, 12. November 2024

Billig? Oder lieber günstig?

Wenn man den Empfehlungen der Zertifikate-Emittenten folgt, bekommt man nicht immer den für Händler günstigsten Schein. So auch bei der heutigen (12.11.2024) Empfehlung eines gehebelten Knockout-Scheines auf den Basiswert Rheinmetall von HSBC.

Rheinmetall Aktie aussichtsreich

Rheinmetall gilt aktuell als aussichtsreiche Aktie für einen Trade, oder auch ein Investment mit kurzer Haltedauer. Das wird analytisch auch sehr schön in dem kurzen Statement ausgeführt. Enge Bolliger Bänder im Tageschart, und eine relative Stärke nach Levy von größer als eins, im Wochen-Rhytmus berechnet, sprechen für sich. Dazu werden, für die nun bevorzugte Seite - Long - zwei Scheine angeboten, die Wertpapierkennnunmmer (WKN) HT0ASB mit Hebel 10,47 und die WKN HT095M mit Hebel 6,13.


Was wichtig ist

Der erste Blick sollte hierbei immer auf der Basispreis fallen. Da es sich hier um Calls handelt, würde der Schein bei Erreichen des Basispreises wertlos, falls die Investition gegen einen läuft und die Aktie fällt. Da bei einigen Händlern bereits vorher die nervöse Phase beginnt, ist es sinnvoll, einen Hebel im Bereich um fünf zu nehmen. Das gibt etwas mehr Spielraum, falls es einmal heftige Kursausschläge kommt, z.B. nach Meldungen aus dem Unternehmen wie Quartalszahlen.

Natürlich ist der Preis des Derivates, also der Geld- und Briefkurs, ebenfalls wichtig. Aber immer nur im Zusammenhang mit dem Bezugsverhältnis. Dabei fällt auf, dass der Call mit dem kleineren Hebel ein Bezugsverhältnis von 0,01 hat, also 100 Stück des Scheins entsprechen einmal der Aktie. Beim Call mit dem höheren Hebel ist das Bezugsverhältnis jedoch 0,10, was bedeutet, dass 10 Stücke des Scheines einer Aktie entsprechen. Warum tut man so etwas?

Ein Blick auf die Preise kann einen Anhaltspunkt liefern. Der höher gehebelte Schein ist mit einem Preis von etwas über fünf Euro aufgerufen, der niedriger gehebelte mit knapp einem Euro. Wäre dieser ein Schein mit einem Bezugsverhältnis von 0,10, so würde dieser Schein rund 10€ kosten. Sehr wahrscheinlich lassen sich solche Scheine mit hohen Preisen eher schlecht bei der Kundschaft verkaufen, denn die wollen es billig - und bekommen deshalb einen 100:1 Schein vergestellt.

Billig ist nicht gleich günstig

Doch nun die Vergleichsrechnung: Der höher gehebelte Schein wird zur Haupthandelszeit vom Emittenten mit Kursen und einem Spread von 4ct gestellt, während es beim Schein mit dem niedrigeren Hebel nur 1 Ct. Spread ist. Allerdings muss man hier wieder das Bezugsverhältnis berücksichtigen: Die 0,04€ Spread mal 10:1 machen 0,40€ Extra-Kosten beim Kauf, wenn man das Äquivalent einer Aktie kauft. Beim niedriger gehebelten Schein sind es jedoch 0,01€ mal 100:1 gleich 1,00€ Extra Kosten, also das 2,5 fache. Auf dem ersten Blick scheint das noch unbedeutend zu sein, aber bei einer Positionsgröße im Bereich von nur 20 Aktien, was ja durchaus üblich sein kann, sind es dann schon 20€ Extra-Kosten gegenüber nur 8€ beim 10:1 Schein.

Ein vergleichbares Derivat nehmen

Daher kann es günstig sein, sich einen eigenen Schein herauszusuchen, abseits von den angebotenen. Mit etwas Eingrenzung des Basispreises und einem Schein vom gleichen Emittenten findet sich die WKN HT0H1T mit einem vergleichbaren Basispreis. Auch dieser wird mit 4ct Spread gehandelt, also wie der höher gehebelte Schein oben. Damit hat man dann einen Schein mit weniger Nebenkosten und dem gewünschten Hebel. Und dieser wird sich sehr ähnlich entwickeln wie der oben genannte 100:1 Schein.

Disclaimer 

Dies ist keine Empfehlung für Rheinmetall oder für den Emittenen HSBC. Jedoch schätze ich die Ausführungen zu Basiswerten von HSBC. Ich habe lediglich herausgearbeitet, warum es sinnvoll sein, sich ein eigenes Derivat herauszusuchen, ggf. auch mit einem anderen Hebel als die vorgeschlagenen.

Montag, 30. September 2024

Der Faktor Seitwärtstrend beim Faktor-Zertifikat

Eigentlich sind Faktor-Zertifikate ein schönes Derivat: Der Hebel wird jeden Tag wieder neu adjustiert, damit er konstant bleibt. Steigt der ausgesuchter Basiswert also um 50%, und nutze ich den Faktor 4, dann steigt mein Zertifikat um 200%. Ich werde reich! Oder vielleicht doch nicht?

Problem: Volatiler Seitwärtstrend

"Hin und Her macht Taschen leer", ist ein allgemeiner Rat, den angehende Anleger und Trader oft zu hören bekommen. Gemeint ist, nicht zu oft in den Markt hinein und heraus zu gehen, denn es kostet jedes Mal Gebühren. Auch wenn in Zeiten von Neo-Brokern diese gering erscheinen, so können versteckte Gebühren wie Spreads und Slippage empfindlich die Performance mindern. Bei den Faktor-Zertifikaten ergibt sich allerdings eine konstruktionsbedingte Eigenschaft, und die ist für einen Anfänger nicht klar ersichtlich, wenn er gerade damit begonnen hat, mit diesen Derivaten zu handeln, ohne sich zuvor genauer damit auseinander zu setzen.

Faktor 4 (Long) auf NVIDIA

Ich habe dazu ein anschauliches Beispiel heraus gesucht. Dieses hat nicht nur Bezug zum aktuellen Marktgeschehen, sondern ist sogar mit reellen Daten erstellt. Zum Vergleich habe ich die NVIDIA Aktie heran gezogen, die sich in den letzten vier Monaten in einer volatilen Seitwärtsphase befand. Bei einem Kauf am 03.06.2024 waren zum Schlusskurs an der WallStreet 115$ für eine Aktie zu bezahlen. Parallel dazu betrachten wir ein (imaginäres) Faktor-Zertifikat (Long) auf NVIDIA, welches am 03.06.2024 ebenfalls 115$ zum Schluss gekostet hätte. Auf eine Umrechnung in Euro verzichte ich in dieser Betrachtung, damit der Sachverhalt einfacher darstellbar ist. Zudem wurde ein Hebel von nur 4 gewählt, weil die NVIDIA-Aktie recht volatil ist und im betrachteten Zeitraum keine Anpassung des Zertifikates während der Handelszeit erfolgen soll. Eine solche Anpassung soll hier nicht betrachtet werden, wirkt sich aber zusätzlich negativ auf die Performance aus.

Betrachtet wird nun, was bis zum Freitag, den 27.09.2024, daraus geworden ist. Die NVIDIA-Aktie schloss mit 121,40$. Damit ergibt sich für denjenigen, der die Aktie gekauft hat, eine Performance von immerhin 5,57%. Und das Faktor-Zertifikat mit Faktor 4? Sollte dann ja wohl etwas über 20% im Plus stehen?

Böses Erwachen!

Dem ist aber nicht so. Durch die tägliche Adjustierung war der Käufer des Zertifikates zwar jeden Tag mit konstantem Hebel 4 unterwegs, aber insgesamt sehr zu seinem Nachteil. Durch die Achterbahnfahrt der NVIDIA-Aktie mit zwischenzeitlich 14% Plus und zeitweise auch 14% Minus in der Aktie gegenüber dem Einstandskurs verlor das Zertifikat überdurchschnittlich und kostet am Ende nur noch 67.25$, ein Minus von 41,5%.

Bei den anfänglichen Anstiegen ist noch eine Verstärkung des Hebels zu sehen - in der Spitze hat das Zertifikat bis zum 18. Juni 2024 um knapp 86% zulegt, die Aktie hingegen nur um gut 14%. Am 7. August stand die Aktie knapp 14% im Minus; das Faktor-Zertifikat mit knapp zwei Dritteln (65%). Jeder Händler weiß, dass ein solcher Verlust schwer wieder aufzuholen ist. Das gilt auch für das Faktor-Zertifikat, denn der Hebel bleibt konstant und in einer Kurserholung muss ein Gewinn von der niedrigeren Basis aus erwirtschaftet werden. Am 19. August 2024 hatte die NVIDIA-Aktie immerhin wieder einen Gewinn von rund 13%, aber das Faktor-Zertifikat konnte den Verlust nicht vollständig aufholen (-3,5%). Bis zum 6. September, als die Aktie erneut mit 10,5% im Minus stand, sammelte das Zertifikat sogar Verluste von insgesamt 67% an. Auch mit der anschließenden Erholung blieb das Zertifikat deutlich im Minus.

Knockout besser?

Da drängt sich der Vergleich mit einem open-end Knockout-Zertifikat auf. Zum Vergleich sollte hier ebenfalls ein Hebel von vier gewählt werden, wodurch der Basispreis des Zertifikates bei 86,25$ liegt und der Wert des KO-Scheins damit bei 28,75$, bei einem Aktienkurs von anfänglich 115$. Ein etwaiges Aufgeld, welches auch open-end knockouts haben, soll in dieser vereinfachten Betrachtung außen vor gelassen werden. Am 27. September 2024 sieht die Rechnung dann so aus: Das Zertifikat wäre bei einem Aktienkurs von 121,40$ dann theoretisch 35,15$ wert. Allerdings sind noch die Finanzierungskosten zu berücksichtigen: Ein Emittent gibt diese mit 7% p.a. an, und ich rechne hier vereinfacht mit einer Laufzeit von 4 Monaten, also einem Drittel des Jahres und damit auch einem Drittel des Zinssatzes. Somit ergibt sich ein um 2,33% gestiegener Basispreis des KO-Zertifikats von dann 88,26$ und ein daraus resultierender Preis des Zertifikats von 33,14$. Das macht immerhin einen Wertzuwachs von 15,26%, also effektiv etwa das dreifache des Wertzuwachses der Aktie. Vorausgesetzt natürlich, man hat die Höhen und Tiefen psychisch durchgehalten. Ein KO-Ereignis wäre hier nicht eingetreten, da der Aktienkurs nur zeitweise unter 100$ war.

Fazit

Das Beispiel zeigt, dass es dringend angeraten ist, sich mit Finanz-Produkten zu beschäftigen, bevor man sie kauft. Natürlich sollte man das auch mit dem Basiswert, also der NVIDIA Aktie tun, aber das nur am Rande. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg beim Traden und Investieren.

Donnerstag, 29. August 2024

DKB - Das Kann Bank!



Die DKB entwickelt seit schon geraumer Zeit an einem neuen Banking und an einer neuen App, und endlich scheint die Zielgrade nahe. Dafür war man als Kunde auch mal dem Nervenzusammenbruch nahe, wenn mal wieder nichts funktionierte oder auch Daueraufträge und Überweisungen nicht ausgeführt wurden.

Hilfe, eine Beta. Nachdem die dann leider doch automatisch installiert wurde, ging beim Banking gar nichts mehr. So wurde offenbar schon das Abschalten der alten Banking App erprobt. Aber nicht nur für Beta-User, sondern ganz allgemein für alle. 😳
Hilfe, mein Konto ist leer. Das könnte natürlich der Grund sein, warum Überweisungen und Daueraufträge nicht ausgeführt wurden. 😱 Aber dafür kann ich jetzt 500 Euro gewinnen. Frage ist nur, wie 😯
Ah, doch nur ein "internal server error." Vielleicht ist das Geld ja doch nicht futsch. Dass "something went wrong" zutrifft, lässt sich unschwer erkennen 😂 Und die 500 Euro sind auch noch nicht weg. 😁
Schnarch - da ist man glatt eingeschlafen, bis die Banking App geladen ist - falls sie jemals damit fertig wurde. 😴

Oh. Eine Baustelle. Wertpapiere können nur mit Umleitung und auch bestenfalls mit Tempo 30 gehandelt werden.🚧🚧🚧










Das soll jetzt endlich funktionieren? Scheint nicht so. Selbst einfachste Wertpapiere sind unauffindbar. 😳
Oh, mal wieder die nächste Runde "Login nicht möglich". Aber das Banking hat zwischenzeitlich gelernt, Deutsch mit dem Kunden zu sprechen 😂 Aber ob der Vorschlag zur Abhilfe zeitnah funktioniert? 😁
Es wird ernst. Das alte Banking wird tatsächlich abgeschaltet, bevor das neue Banking fertig ist. Hätte ich früher so gearbeitet, hätte mir mein Chef wohl zu Recht die Leviten gelesen. Mal schauen, was dann alles mit dem dann nur noch verfügbaren neuen Banking nicht funktioniert. 🙈


Jaja, die Suche nach wichtigen Dokumenten - wo sind sie denn nun? Immer wieder spannend - da stellt sich vor allem die Frage, im Wertpapier-Bereich: Finde ich das Dokument rechtzeitig, bevor die Frist abgelaufen ist? 😉

Fazit:


Zum Glück läuft inzwischen fast alles wieder normal. Die Kunden, die das ohne "Herzkasper" oder Nervenzusammenbruch überlebt haben, werden sich freuen. 😅

Dieser Rückblick dient der allgemeinen Erheiterung und auch als Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Selbst wenn zeitliche oder finanzielle Ressourcen drängen, macht es Sinn, so etwas in geordneten Bahnen und nicht nach dem Prinzip "Beim Kunden reifen lassen" umzustellen.

Mittwoch, 3. Juli 2024

Dividende steuerfrei?

Bei manchen Unternehmen staunt man nicht schlecht, wenn man die Abrechnung der Dividende liest. "Steuerfreie Leistung aus dem steuerlichen Einlagekonto § 27 KStG". Die Dividende scheint wirklich steuerfrei zu sein, denn weder der Freistellungsauftrag noch der ggf. gefüllte allgemeine Verlusttopf wird verändert, und es werden auch keine Steuern abgezogen. Das trifft z.B. auf die Dividende der Deutschen Telekom zu, aber auch auf freenet. Aber ist die Dividende wirklich wirklich steuerfrei?

Gestundet

Beim Verkauf der Aktien wird die Steuer dann doch fällig. Das kann dann in erheblich Maße zu einer Steuerbelastung führen. Rechnerisch wird der steuerliche Einstandspreis bei jeder Zahlung einer steuerfreien Dividende um den Dividenden-Betrag angepasst und kann sogar negativ werden. Damit wird klar: Die Steuer ist nur gestundet bis zum Verkauf der entsprechenden Aktien. Bei den Brokern wird das in der Depot-Übersicht nicht immer transparent angezeigt. Bei einem Depot-Übertrag erhält man jedoch einen Beleg, auf dem vermerkt ist, welche steuerlichen Anschaffungskosten zugrunde liegen. Das ist dann der angepasste Betrag, wie im folgenden Beispiel erläutert.

Rechenbeispiel

Die freenet-Aktie, gekauft im Sommer 2014 (nach der Dividende) für 19,00€:

  1. Dividende 2015: 1,50€ - neuer steuerlicher Einstandskurs: 17,50€
  2. Dividende 2016: 1,55€ - neuer steuerlicher Einstandskurs: 15,95€
  3. Dividende 2017: 1,60€ - neuer steuerlicher Einstandskurs: 14,35€
  4. Dividende 2018: 1,65€ - neuer steuerlicher Einstandskurs: 12,70€
  5. Dividende 2019: 1,65€ - neuer steuerlicher Einstandskurs: 11,05€
  6. Dividende 2020: 0,04€ - neuer steuerlicher Einstandskurs: 11,01€
  7. Dividende 2021: 1,65€ - neuer steuerlicher Einstandskurs:   9,36€
  8. Dividende 2022: 1,57€ - neuer steuerlicher Einstandskurs:   7,79€
  9. Dividende 2023: 1,68€ - neuer steuerlicher Einstandskurs:   6,11€
  10. Dividende 2024: 1,77€ - neuer steuerlicher Einstandskurs:   4,34€

Man sieht deutlich, dass nach rund zehn Jahren bei diesem Dividenden-starken Wert der steuerliche Einstandskurs auf weniger als ein Viertel des ursprünglichen Einkaufskurses abgeschmolzen ist.

Disclaimer:

Der hier geschilderte steuerliche Sachverhalt gilt für Menschen, die in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind. Lagern die betreffenden Aktien in einem Depot außerhalb Deutschlands, oder ist man nur beschränkt steuerpflichtig, so gelten ggf. andere Regeln. Dieser Artikel beinhaltet auch keine Steuerberatung und ich biete eine solche auch nicht an. Er schildert nur einen Sachverhalt, der häufig Anlegern nicht bekannt ist.

Freitag, 14. Juni 2024

Kommt auf keinen grünen Zweig

Exotische Optionsscheine zeichnen sich im Gegensatz zu klassischen Optionsscheinen dadurch aus, dass sie keinen Basispreis, aber dafür ein oder zwei KO-Schwellen haben, die genauso funktionieren, wie die knockout-Schwellen bei klassischen Turbo-Optionsscheinen und deren Varianten. Insbesondere darf diese Schwelle - oder beide Schwellen - nicht erreicht werden, ansonsten verfällt ein solcher Schein wertlos. Exotische Optionsscheine haben dafür immer eine begrenzte Laufzeit und so lange in dieser Laufzeit keine Schwelle erreicht wurde, erfolgt die Auszahlung eines zuvor festgelegten Betrages.

Natürlich gibt es auch Hit-Optionsscheine unter den "Exoten", bei denen eine  Auszahlung nur genau dann erfolgt, wenn eine genannte Schwelle während der Laufzeit erreicht wird, aber diese Variante soll im Folgenden nicht weiter betrachtet werden.

Begrenzter Gewinn

Exotische Optionsscheine zeichnen sich damit durch eine begrenzte Gewinnmöglichkeit aus - der Festbetrag ist im voraus bekannt und der Einkaufs-Kurs ist für den potentiellen Gewinn sehr entscheidend. Beim Erwerb solcher Scheine fallen jedoch erhebliche Nebenkosten an, denn die Spreads, also die Differenz zwischen Ankaufskurs und Verkaufskurs, liegen in der Regel zwischen 1,5% und 5% und fallen zusätzlich zu einer ggf. noch zu zahlenden Provision für die Bank oder den Broker an.

Interessant sind solche Scheine, weil man damit auch an einer Seitwärtsbewegung des zugrunde liegenden Basiswertes verdienen kann. Dieser darf allerdings während der Laufzeit keine der bekannt gegebenen Schwellen erreichen. Der mögliche Kursgewinn hängt stark von der Volatilität des Basiswertes ab und liegt nur bei volatilen Werten in einem interessanten Bereich. Allerdings steigt bei volatilen Werten auch das Risiko, dass eine der Schwellen erreicht wird.

100% p.a. Gewinn?

Für einige Emittenten sind exotische Optionscheine ein lukratives Geschäft, wenn auch vielleicht ein wenig in der Nische. In einem wöchentliches Newsletter eines Emittenten werden tolle Renditen beschrieben, die - auf das Jahr hoch gerechnet - über 100% betragen können. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

In einem Musterdepot wurden in den vergangenen gut zwölf Monaten, seit Mai 2023, alle exotischen Optionsscheine aus der wöchentlichen Empfehlung gekauft. Sofern der Kurs des Scheins während der Laufzeit am maximalen Auszahlungsbetrag angekommen war, wurden die Scheine wieder verkauft, wobei der Spread berücksichtigt wurde. Eine Provision für Bank oder Broker wurde hingegen nicht berücksichtigt; hier wird davon ausgegangen, dass eine solche Order über einen Neo-Broker erfolgte, der dies ohne weitere Kosten für den Kunden anbietet. Im Falle eines knockouts, also dem Erreichen einer der Schwellen, wird der Schein wertlos bzw. mit einem Restwert von 0,1 ct. ausgebucht.

Aus 250€ wurden 194,80€ 🙈 📉

Das Ergebnis ist ernüchternd, weil deutlich negativ. In ruhigen Börsenphasen vermag die Strategie zeitweise durchaus Gewinn zu erzielen, so auch zuletzt im April und Mai 2024. Doch sobald die Aktienbörsen bzw. die zugrunde liegenden Werte auch nur Anzeichen von Stress zeigen, sinkt die Performancekurve ab. Das führte dazu, dass von 46 Verkäufen insgesamt zwar 34 erfolgreich waren (Trefferquote 74%), aber durch die 12 Totalverluste (26%) die Performance ins Minus gedrückt wurde (Stand: 14.06.2024). Das liegt vor allem daran, dass der durchschnittliche Verlust deutlich höher ist, als der mögliche Gewinn - in einem solchen Fall hilft auch die hervorragende Trefferquote von 74% nicht mehr weiter.

Stopp? Meist zu eng an der Schwelle

Zwar wird im Newsletter fast immer ein Stopp des zugrunde liegenden Basiswertes genannt, zu dem man aussteigen sollte, aber dieser liegt in der Regel schon so nahe an der Schwelle, dass ein Ausstieg häufig nicht mehr geordnet möglich ist, was auch daran liegen kann, dass der Emittent in solchen Fällen bereits den Handel eingestellt oder eingeschränkt hat und dann nur noch einen symbolischen Kurs stellt.

Aktien mit hoher Volatilität ausgewählt

Natürlich werden als Basiswerte für den wöchentlichen Newsletter nur die volatilsten Werte genommen, denn man muss ja mit hohen Performance-Zahlen werben. Auch impliziert der Newsletter ein Klumpenrisiko, weil Basiswerte mehrfach verwendet werden, sich ein exotischer Optionsschein noch innerhalb der Laufzeit befindet, während bereits ein weiterer des gleichen Basiswertes vorgestellt wird. Auf diese Weise gab es am 8. März 2024 ein AHA!-Erlebnis: Die Aktie von HelloFresh stürzte an diesem Tag um 40% ab, wodurch bei gleich zwei Scheinen die Schwelle riss, ohne eine Chance, die Papiere noch mit einem Restwert zu verkaufen. Am 14. Juni 2024 erwischte es dann gleich zwei Scheine auf Nvidia, die beiden die gleiche obere Schwelle von 130$ hatten. Auch hier war ein rechtzeitiger Ausstieg kaum noch möglich.

Als Fazit lässt sich festhalten:

  1. Man sollte auf die Kosten (auch den Spread) der Derivate achten, die man handelt.
  2. Man sollte immer das Verhältnis zwischen Chance und Risiko im Blick behalten.
  3. Keine Strategien handeln, die nicht funktionieren, wie die vorliegende.
  4. Man sollte den Empfehlungen eines Newsletter nicht blind folgen.


Nicht von den "tollen" Performance Zahlen in Newslettern blenden lassen. Denn diese beinhalten auch immer ein rhebliches Risiko. Die Realität sieht damit oftmals anders aus. Um so etwas zu zeigen und (angehenden) Tradern näher zu bringen, dazu dient dieser vorliegende Artikel, in dessen Recherche ich gern ein klein wenig Aufwand gesteckt habe.

Dienstag, 30. April 2024

Die neue Neo-Broker Derivate-Matrix

Nicht jeder Derivate-Emittent ist bei jedem Neo-Broker angebunden. Während man bei den klassischen Online-Brokern in der Regel mit nahezu jedem Emittenten handeln kann, ist das bei den Neo-Brokern keineswegs so.

So versuchen die Neo-Broker aktuell, den Kunden den Handel mit mindestens drei Emittenten von Derivaten zu ermöglichen.

Die Citi ist raus!

Etwas Verwirrung gab es dabei beim Neo Broker Trade Republic: Der Handel mit Derivaten der Citibank war auf einem Mal nicht mehr möglich. Kurz darauf wurde bekannt, dass die Citi das Geschäft mit Derivaten in Deutschland komlett einstellen wird. Doch flugs hatte Trade Republic wieder eine dritten Emittenten für den Handel mit Derivaten: die UBS. Wenn doch einmal mit genau diesem Engagement weitere wichtige Emittenten angeschlossen würden - aber das scheint bei Trade Republic nicht gewünscht zu sein.

Beim Smartbroker steht die Citi sogar noch offiziell als Handelspartner drin. Allerdings bietet der Smart Broker Plus, inzwischen über die Baader Bank realisiert, neben den vier kostenlosen Handelspartnern für Derivate auch den Handel über die meisten weiteren Handelspartner an, wofür allerdings dann Gebühren anfallen.

Mindermengen-Zuschlag

Bei finanzen.net zero wurde die Anzahl der Handelspartner zuletzt ausgebaut. Damit stehen inzwischen sechs Handelpartner zur Verfügung, was, abgesehen von den Neo-Brokern, die auch das volle Sortiment anbieten, Spitze ist. Dafür gibt es bei finanzen.net zero auch einen Pferdefuß: Es fällt bei Derivaten ein Mindermengen-Zuschlag in Höhe von einem Euro an, allerdings nicht, wie sonst üblich, für Beträge unter 500 Euro, sondern bei einer Order unter 500 Stück.

Bei Scalable Capital sind es hingegen nur drei Handelspartner. Da diese eine Teilmenge der sechs von finanzen.net zero sind, kann man ggf. auf Scalable Capital verzichten. Allerdings hat man bei Scalable die Möglichkeit, mit einer vorab bezahlten Pauschale im Broker Prime oder Prime Plus die Derivate ab einen Betrag von 250€ ohne Ordergebühr zu handeln. Das ermöglicht auch kleine Positionen oder gar "Kamikaze-Trades". Ansonsten - im "Free Broker" oder unter 250 Euro - fällt eine Gebühr von 0,99 Euro pro Trade an

Höher liegt der Mindermengen-Zuschlag nur bei Traders Place mit drei Euro, allerdings nur, wenn das Ordervolumen unter 500 Euro liegt. Ansonsten hat Traders Place einige andere Emittenten wie die Societe Generale und BNP Paribas als Partner ausgewählt, insgesamt fünf, über die man - abgesehen vom Mindermengen-Zuschlag - ohne weitere Kosten handeln kann. Da Trades Place auch ein Vollsortiment anbietet, ist hier der Handel über weitere Emittenten gegen weitere Gebühr möglich.

Insgesamt geht da also noch etwas - es liegt letzten Ende an den Neo-Brokern und sicher auch, welche Wünsche dessen Kunden haben.